Nach der Flucht

"Wir werden dort dringend gebraucht!"

Zivile Seenotrettung: Der Seeweg über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Das Rettungsschiff MS Aquarius von SOS Mediterranee ist mit Unterstützung von AWO International im Mittelmeer zwischen Libyen und Italien unterwegs, um Menschen in Seenot zu retten. In den ersten drei Wochen hat das Team drei Rettungseinsätze durchgeführt und etwa 600 Menschen gerettet.

Unglaublicher Leidensweg
„Ich bin erleichtert, dass wir Menschen retten konnten, aber zugleich bin ich tief erschüttert über das, was die Geflüchteten erleiden mussten. In der unmittelbaren Begegnung auf den Schlauchbooten sieht man den Menschen ihre Angst und Verzweiflung an. In den Gesprächen erfahren wir, was für einen unglaublichen Leidensweg die Menschen hinter sich haben“, erzählt Kapitän Vogel. Der Gründer von SOS Mediterranee ist gerade zurück vom ersten Einsatz. Er war als Rettungskoordinator an Bord der Aquarius.

Die Initiative SOS MEDITERRANEE wurde im Mai 2015 gegründet mit dem Ziel, in Seenotrettung geratene Flüchtlinge zu retten und eine zivile europäische Seenotrettung auf dem Mittelmeer aufzubauen. Im Februar konnte dank Unterstützung zahlreicher Spenden und der Kooperation mit AWO International das Rettungsschiff MS Aquarius gechartert werden.

Hunderte Menschen gerettet
Bereits der erste Einsatz bestätigt, wie wichtig eine zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer ist. „Unser erster Einsatz fand in einer Jahreszeit statt, wo Zweifel bestanden, dass überhaupt Flüchtlingsboote auf dem Weg sind. Wir haben in drei Rettungseinsätzen 326 Menschen direkt gerettet und weitere 246 von der italienischen Küstenwache übernommen und ans Festland in Sicherheit gebracht. Mir wurde nochmal ganz klar: Wir werden dort dringend gebraucht!“, so Vogel.

Sobald das Wetter besser wird, werden sich mehr Menschen auf den Weg machen. Im letzten Jahr sind 150.000 Menschen über das zentrale Mittelmeer geflohen. „Wir rechnen damit, dass es in diesem Jahr weitaus mehr werden. Aus diesem Grund haben wir den Einsatz um weitere acht Monate verlängert.“, sagt Vogel, „Wir hoffen auf weitere Unterstützung von der europäischen Zivilgesellschaft, damit wir auch weiterhin Rettungsaktionen durchführen können.“ AWO International wird auch weiterhin den Rettungseinsatz unterstützen.


Das ganze Interview erscheint in der kommenden Ausgabe vom „weitblick – Magazin für Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit“ von AWO International www.awointernational.de


Zahlen
Beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, sind 2015 laut UN etwa 3.700 Menschen ums Leben gekommen. 2016 sind bereits in den ersten Monaten mehr als 700 Menschen gestorben oder gelten als vermisst. In den Jahren 2010 bis 2014 sind mindestens 23.000 Menschen ums Leben gekommen


Foto: © Patrick Bar/ SOS Mediterranee

Teilen

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zurück zur Übersicht